Veranstaltungen 2013

Unterwegs – Synagoge im Herbst

Umfangreiche Restaurierungsarbeiten haben in den vergangenen Monaten die Pracht der Görlitzer Synagoge wieder sichtbar werden lassen. Die Kuppel mit dem Löwenfries erstrahlt vergoldet und in frischen Farben. Spuren jahrzehntelanger Verwahrlosung verschwinden allmählich. Da auch im Herbst 2013 wieder Bauarbeiten in dem jüdischen Sakralbau geplant sind, lädt der Förderkreis Görlitzer Synagoge e.V. zu sechs Veranstaltungen an andere Orte in Görlitz ein.

Das Programm mit dem Titel „Synagoge unterwegs“ soll jüdische Kultur, Geschichte und Religion auf unterschiedliche Weise nahe bringen. Ein Symposium, Theater, Lesungen und ein Filmabend mit Konzert sind vorbereitet. Das vollständige Programm finden Sie hier.

Sukkot in Görlitz

Kinder und Eltern bauen Laubhütte im Schulhof

Der Förderkreis Görlitzer Synagoge knüpft an seine Tradition an, jüdische Feste in der Öffentlichkeit vorzustellen. Mit Unterstützung der Görlitzer Dietrich-Heise-Schule gibt der Verein am 19. September 2013 Einblick in die Geschichte und Rituale des Laubhüttenfestes (Sukkot). Als eines der ältesten Feste im Judentum erinnert es an den 40 Jahre dauernden Aufenthalt der Hebräer in der Wüste, bevor sie nach dem Auszug aus Ägypten ins Gelobte Land kamen. Nach einer thematischen Einführung in der Görlitzer Synagoge werden Besucher auf das nahegelegene Gelände der Evangelischen Grundschule eingeladen. Schüler der 4. Klasse wollen dort mit ihren Eltern im Vorfeld eine Laubhütte bauen.

Für den Auftakt in der Synagoge gestalten die Kinder und ihre Klassenleiterin Judith Hauber ein Programm mit Liedern und Geschichten. Danach dürfen Besucher den Mädchen und Jungen auf den Hof der Schule folgen, um dort gemeinsam die Laubhütte (Sukka) in Besitz zu nehmen. Bei deren Bau am 17. September 2013 wollen sich Schüler und Eltern genau an die jüdischen Vorschriften halten. Demnach müssen die Wände aus festem Material bestehen. Für das Dach wird abgeschnittenes Gewächs verwendet, etwa Binsengras, Schilfrohr, Stroh, Heu oder Tannenzweige. Wichtig ist nämlich, dass Himmel, Sonne bzw. Sterne zu sehen sind, wenn man in der Sukka sitzt und nach oben blickt.

Zum Ausschmücken der Hütte wollen die Viertklässler Zeichnungen anfertigen und Girlanden basteln. Für das Fest bereiten Eltern und Kinder zudem ein Kuchen- und Obstbüfett vor. Besucher dürfen unter anderem Lekach probieren, einen Honigkuchen, der traditionell in diesen Tagen gebacken und gegessen wird.

Nach dem jüdischen Kalender beginnt Sukkot in diesem Jahr am 19. September. Außerhalb von Israel dauert das Fest acht Tage. In dieser Zeit sollten Juden zusammen so viel wie möglich Zeit in der Sukka verbringen: für Mahlzeiten, Gespräche, Lektüre und sogar zum Schlafen, wenn Größe der Hütte und Wetter es zulassen. Der Förderkreis Görlitzer Synagoge hat in den vergangenen Jahren jüdische Feste wiederholt zum Anlass genommen, um über deren Bedeutung und Geschichte zu informieren, etwa mit Führungen zu Pessach oder mit Veranstaltungen zu Chanukka.

Sonderheft über Mira Lobe erschienen

Der in Österreich vielfach preisgekrönten Kinder- und Jugendbuchautorin Mira Lobe (1913 – 1995) war im September 2013 ein Symposium in ihrer Geburtsstadt Görlitz gewidmet. Nun liegen die Ergebnisse der zweitägigen Veranstaltung in Form eines Sonderheftes vor. Die Beiträge ergänzen das zuweilen einseitige Bild von der vermeintlich österreichischen Schriftstellerin. Das betrifft vor allem den in Wien bisher nahezu unbekannten Blick auf die junge Mira Lobe in Görlitz, den der Kulturwissenschaftler Dr. Wolfgang Wessig herausgearbeitet hat.

Das Symposium vermittelte Einblicke in Leben und Werk der jüdischen Autorin. Als Hilde Miriam Rosenthal kam sie am 17. September 1913 in Görlitz zur Welt. Ihr 100. Geburtstag war Anlass für die Tagung, die unter dem Motto „Zeit zu träumen, Zeit zu handeln“ stand. Auch Referenten aus Wien und Salzburg kamen dazu nach Görlitz. Das Projekt brachte die Auseinandersetzung mit Mira Lobe in ihrer Geburtsstadt deutlich voran. Die Wertschätzung ihrer Bücher und der Denkanstöße darin hatte schon in den Jahren zuvor zugenommen, wie ein Beitrag in der neuen Publikation beschreibt.

„Mira Lobe-Symposium in Görlitz“ ist als Sonderheft von libri liberorum (Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung) erschienen. Herausgeber sind PD Dr. Ernst Seibert von der Universität Wien und Prof. Dr. Brigitte Pyerin (Förderkreis Görlitzer Synagoge, Hochschule Zittau/Görlitz). Sie hat die Tagung zusammen mit Dr. Hans-Wilhelm Pietz von der Evangelischen Innenstadtgemeinde Görlitz und Wolfgang Wessig vorbereitet. Ernst Seibert und zwei weitere Wissenschaftler aus Wien wirkten maßgeblich an der Veranstaltungskonzeption mit.

Das Heft wird im gesamten deutschsprachigen Raum verbreitet. In Görlitz ist es ab sofort in der Comenius-Buchhandlung und in der Stadtbibliothek zu erwerben. Es kostet 9,50 Euro.

„Wallstraße 13“

Das Theaterstück von Bente Kahan war am 6. Oktober 2013 um 19.00 Uhr im Görlitzer Theater zu sehen. Mit Hilfe einer Multimediapräsentation von Dokumenten, Bildern und Gegenständen aus der Vergangenheit erzählt die Inszenierung die Geschichte über die Schicksale der Bewohner des Hauses Nummer 13 an der Breslauer Włodkowica -Straße (vor dem Krieg Wallstraße). Zusammen mit Musik und Liedern der Zeit entsteht gleichzeitig das lebendige Porträt einer deutsch-polnischen Stadt in der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Eine Veranstaltung des Förderkreises in Kooperation mit der Kulturreferentin für Schlesien am Schlesischen Museum zu Görlitz.

Lesung

Am 14. Oktober 2013 um 19 Uhr stellte André Biakowski sein Buch „OBIAD-MEHR ALS NUR MITTAGESSEN“ in Görlitz vor. Der Autor hat für ein Jahr als Freiwilliger in Lodz, Polen gelebt und Überlebende unterschiedlicher Ghettos sowie Konzentrationslager betreut. Durch ergreifende Begegnungen und Gespräche schaute er hinter die Kulissen deutsch-polnischer Geschichte. In monatlichen Briefen an Freunde und Familie berichtete er von seinen Eindrücken und Erlebnissen. 10 dieser Briefe sind in dem Buch veröffentlicht worden. André Biakowski betrachtet es als persönlichen Beitrag gegen das Vergessen.

Literarische Reise

Uwe von Seltmann präsentierte am 31. Oktober 2013 um 19 Uhr sein Programm „Das Land, in dem Menschen und Bücher lebten“. Die literarische Reise führte nach Galizien und in die Bukowina. Aus dieser vergessenen Gegend stammen viele der bedeutendsten deutsch- und jiddischsprachigen Literaten und Lyriker, darunter Paul Celan, Mordechaj Gebirtig, Selma Meerbaum-Eisinger oder Bruno Schulz. Während des Zweiten Weltkriegs wurde diese jahrhundertealte Kultur ausgelöscht. Das Programm soll an die Zeit vor der Vernichtung erinnern und zugleich eine Brücke in die Gegenwart schlagen. In Galizien leben heute einige der bedeutendsten ukrainischen Schriftsteller wie Juri Andruchowytsch oder die Brüder Jurko und Taras Prochasko, für die das deutsch-jiddische Erbe ebenso wichtig ist wie die Idee eines Mitteleuropas ohne Grenzen.

Film und Konzert »Married to the Marimba«

Den Film »Married to the Marimba« sahen Besucher am 7. November 2013, um 19.30 im Görlitzer „Apollo“. Der Film spiegelt das Leben des Xylophon-Virtuosen Alex Jacobowitz – eines vom säkularen zum orthodoxen Judentum, von der Klassik zum Straßenmusikanten Gewandelten. Wenn der gebürtige New Yorker seine Marimba, ein drei Meter langes und 120 Kilo schweres Xylophon aufbaut und von Bach über Vivaldi bis Satie, von Tango über Flamenco bis zu Klezmer aufspielt, verweilen sogar eilige Passanten. Annähernd 15 Jahre begleiteten die Filmemacher Alan Rosenthal und Larry Price ihren Protagonisten und beobachteten, wie man auf diesen Musiker mit Kippa, Pejes und Zizit in Australien, Deutschland, Südafrika und den USA reagiert. Nach der Vorführung des Films gab Alex Jacobowitz ein Konzert.

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