Veranstaltungen 2012

24. Mai 2012, 19 Uhr, Synagoge Görlitz
Einblicke ins Leben einer jüdischen Familie
Zeitzeugin aus den USA zu Besuch in ihrer Geburtsstadt Görlitz

Kulturbürgermeister Michael Wieler (2.v.r.) empfing Evelyn Apte (2.v.l) und Aubrey Pomerance (links) im Rathaus. Markus Bauer als Vereinsvorsitzender begleitete die Gäste. Foto: Anett Böttger

Besucher der Görlitzer Synagoge erhielten Einblick in das  Leben einer gutbürgerlichen jüdischen Familie im frühen 20. Jahrhundert. Zu dem Zeitzeugengespräch war Evelyn Lowen Apte aus den USA zu Gast.

Als achtjähriges Mädchen floh sie 1937 mit ihren Eltern und ihrem älteren Bruder aus Görlitz. Gemeinsam mit Aubrey Pomerance, dem Leiter des Archivs am Jüdischen Museum in Berlin, berichtete sie anhand von Fotos über ihre Kindheit. Schon am Vormittag sprach sie im Joliot-Curie-Gymnasium  mit Schülern einer sechsten Klasse.

Evelyn Apte kam als zweites Kind von Hermann und Else Löwenberg in Görlitz zur Welt. Ihr Vater führte eine Likörfabrik. Die Familie war in die bürgerliche Gesellschaft der Stadt gut integriert. Nach 1933 litten die Löwenbergs unter dem schnell zunehmenden Antisemitismus in Görlitz.

Evelyn Löwenberg 1935 bei ihrer Einschulung.

1937 emigrierten die Eltern mit ihren beiden Kindern auf ungewöhnlichem Weg in die USA: sie tauschten Haus und Besitz mit einer national gesinnten deutschen Familie in Portland/Oregon, die unbedingt nach Deutschland zurückkehren wollte.

Die erste Zeit in der Fremde war für die Löwenbergs schwer. Der Vater war zu diesem Zeitpunkt schon 50 Jahre und fand zunächst keine Arbeit. Nach der Anstellung in einer kleinen Destillerie machte er sich wieder selbstständig. Evelyn besuchte vom ersten Tag an die Schule, obwohl sie kein Wort englisch sprach. Sie studierte später Psychologie.

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12. März 2012, 19:00, Apollo Görlitz
Todleben – Musikalische Lesung

Eine deutsch-polnische Suche nach der Vergangenheit

Unter diesem Titel ist im Februar 2012 ein Buch erschienen, das der Autor Uwe von Seltmann am 12. März 2012, 19 Uhr im Apollo, Hospitalstraße 2 in Görlitz, vorstellte. Alex Jacobowitzhat die Lesung musikalisch begleitet.

Die Familien des deutschen Journalisten Uwe von Seltmann und seiner polnischen Frau Gabriela sind auf fatale Weise verbunden: Sein Großvater war ein SS-Mann in Polen, ihr Großvater wurde in Auschwitz ermordet. Der Enkel forscht nach: Ist sein Großvater dem von Gabriela begegnet, hat er etwas mit dessen Tod zu tun? Briefe und Zeugnisse aus der Zeit führen ihn auf der Suche nach Antworten quer durch Europa, zu den Schauplätzen nationalsozialistischer Verbrechen, zu Überlebenden des Holocaust und ehemaligen Tätern. Berührend und erschütternd zugleich schildert Uwe von Seltmann, wie in den beiden Familien alte Wunden aufreißen und längst Verdrängtes ins Bewusstsein zurückkehrt.

Das Buch über die Last der Vergangenheit und eine hoffnungsfrohe Zukunft erschien im Februar 2012. Die Lesung in Görlitz veranstaltet Weiterdenken, die Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen, in Kooperation mit dem Verlag Herbig und dem Förderkreis Görlitzer Synagoge.

Alex Jacobowitz und Uwe von Seltmann. Foto: Gabriela Maciejowska

Alex Jacobowitz studierte an der Musikhochschule in New York Schlagzeug. Mit 19 Jahren entdeckte er seine besondere Liebe zum Xylophon. Auf diesem Instrument spielt er Stücke von Bach, Mozart, Beethoven, Erik Satie und anderen Komponisten. Sommer für Sommer bereist er die Großstädte Europas, um mit einer Mischung aus klassischem Klezmer und New Yorker Streetshow Tausende Zuschauer in den Bann zu ziehen. Zudem ist er gefragter Gast in Konzertsälen, auf Festivals, zu Ausstellungseröffnungen und in Fernsehsendungen. Durch den Aufenthalt in einem Kibbuz fand er 1982/83 in Israel seinen Weg zum traditionellen Judentum. Zur Eröffnung des diesjährigen Paul-Spiegel-Filmfestes in Düsseldorf hatte „Married to the Marimba“ Premiere – ein Filmporträt über Jacobowitz als Straßenmusiker.

Flyer zum Herunterladen –>hier.